Digitale Restaurierungsarbeiten "Der blaue Strohhut"

Kooperation zwischen MAGIC PICTURE und scientific|Media

Der erste Kontakt zwischen beiden Unternehmen geht auf den Oktober 2008 zurück. Doch erst über ein Jahr später, im Frühjahr 2010 kurz nachdem scientific|Media seine Arbeiten an Fritz Lang's Stummfilmklassiker „Metropolis“ beendet hatte, fand man Zeit für ein gemeinsames Projekt. Es war die Restaurierung an dem Film „Wege im Zwielicht“, welcher seit Mai 2010 auf DVD erhältlich ist.

Beginn der Arbeiten am "blauen Strohhut"

Auch schon im Frühjahr 2010 wurden neben „Wege im Zwielicht“ die Daten zu dem Film „Der blaue Strohhut“ (HD, 4:3) an scientific|Media zu einer ersten Betrachtung und Analyse des Materials weitergegeben. Eine technische Demonstration zur Bearbeitung entstand noch im selben Quartal des Jahres, welche wesentliche Schritte zur Erkennung von fehlerhaften Bereichen und möglichen Retuschen der schadhaften Bildstellen aufzeigte. Diese Ergebnisse waren nur durch eigene In-House Entwicklung möglich, da verschiedene andere kommerzielle Pakete keine akzeptablen Lösungen erbrachten. Dies wurde zum Anlass genommen, eine Testszene auf der FKTG-Fachmesse in Hamburg sowie auf dem ARRI Archive-Workshop in München zu präsentieren.

Hauptarbeit am Filmprojekt

Im Juni 2010 begann die Arbeit am „blauen Strohhut“ als Komplett-Restaurierung. Dabei muss hervorgehoben werden, dass für die Stabilisierung eine Verbesserung des FlowStabilize verwendet wurde, der erstmals bei „Wege im Zwielicht“
Im Anschluss an die Stabilisierung wurde das Material in zwei automatisierten sowie gekoppelten Prozessen analysiert und von typischen Staub- und Schmutzbelastungen befreit. Eine erneute Sichtung nach diesem Schritt zeigte jedoch, dass neben den knapp 30 sehr belasteten Filmszenen (15% des Films) etwa 30% des Films ein Problem aufwiesen, welches auch keinesfalls mit Standard Lösungen behoben werden konnte. Die betreffenden Szenen wiesen eine sehr hohe Frequenz von halb-transparenten grauen Punkten auf. Auch für dieses Problem wurde eine spezielle Methode entwickelt, sodass zum Stand Sommer 2010 85% des Films nach 5 kombinierten Prozessen als abgeschlossen angesehen werden konnten.

Weitere Verbesserungen und Erweiterungen

Die Hauptschwierigkeit im Sommer 2010 bestand noch in der robusten Retusche der als defekt erkannten Bildbereiche. Trotz der real existenten technischen Begrenzung, welche das Bildmaterial vorgab, war das Team von scientific|Media mit der resultierenden Qualität noch nicht zufrieden.

Um die folgenden Entwicklungen zu kanalisieren wurde die Hierarchie der Bildszenen weiter verfeinert, um sich von Szene zu Szene höheren technischen Anforderungen auszusetzen. Eine erneute Bewertung bliebt bei einem Projekt dieser Komplexität nicht aus. Dafür war der Grad an Individualität der einzelnen Szenen zu stark.

Entwicklung DeBlob-Workflow, Abschluss in Sicht

Im vierten Quartal 2010 wurden weitere 3 Module entwickelt, mit deren Funktionsumfang die Bearbeitung auch hochgradig zerstörter Szenen (sz00510 kann hier hervorgehoben werden) sehr hochwertig abgeschlossen werden konnte. Insgesamt standen nun 8 Hauptmodule zur Verfügung, welche den Szenen individuell angepasst und noch durch weitere Analyse- bzw Korrekturberechnungen erweitert wurden.
Der CPU-Rechenaufwand der verbleibenden sehr stark beschädigten 15% aller Szenen übertraf sogar im Vergleich den Hauptteil (85% des Films) um ein Weites.

Schlussbetrachtung

Die für die Arbeit an Metropolis von scientific|Media entwickelten Module und Workflows wurden auch am Material des blauen Strohhut getestet. Dadurch konnte sehr früh im Projektverlauf definiert werden, welche Schlüsseltechnologien fehlten und welche Probleme als komplett unabhängig neu zu bearbeiten und zu lösen waren.
Dabei übertraf der Entwicklungsaufwand am DeBlob als Workflow-Lösung die technischen Erarbeitungen für Metropolis um ein vielfaches. Aus diesem Grund ist es auch sehr bewundernswert, dass MAGIC PICTURE die Geduld und das Vertrauen mitbrachte, dieses Projekt über einen längeren Zeitraum so konsequent zu begleiten.
Nach Einschätzung von Rainer M. Engel, verantwortlicher Project-Supervisor bei scientific|Media, liegt abschließend die Bedeutung der Entwicklungen besonders in einem tieferen Verständnis über die aktuell existierenden Grenzen des technisch Machbaren.

„Es erscheint schon beinahe unglaublich, diese Ergebnisse besonders auch im direkten Vergleich zum Original-Material zu sehen. Dennoch bestehen aber Anforderungen, bei denen selbst ausgefeilte Konzepte an ihre technische Grenze stoßen.“

Link zum Showroom "Der blaue Strohhut" bei scientific|Media

scientific|Media, 2011

magic/deblob_strohhut.txt · Zuletzt geändert: 2011/05/12 15:26 (Externe Bearbeitung)
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